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Nachricht · Argentina

Financial Times: Argentiniens Stabilisierung geht mit einer stagnierenden Wirtschaft einher

Die Analyse der britischen Zeitung hebt den Haushaltsüberschuss und die nachlassende Inflation hervor, weist aber auch auf eine schwache wirtschaftliche Aktivität, den Verlust formeller Arbeitsplätze und zurückgebliebene Reallöhne hin. Die Kluft zwischen exportorientierten Branchen und dem Binnenmarkt stellt mit Blick auf 2027 eine Herausforderung dar.

Illustration mit Feldern und einem Containerschiff links sowie einer düsteren Industriestadt mit Bauhelm rechts.
Mit KI erzeugte konzeptuelle Illustration · Edition Business

Drei Jahre nach Beginn der Regierung von Javier Milei fällt die Bilanz der argentinischen Wirtschaft gemischt aus: Die Stabilisierung der öffentlichen Finanzen und die nachlassende Inflation bestehen neben einer schwunglosen wirtschaftlichen Aktivität und Schwierigkeiten für Beschäftigte, Geschäfte und auf den Binnenmarkt ausgerichtete Unternehmen. Das ist die zentrale Spannung in der Analyse der Financial Times mit dem Titel „Milei’s economic reforms under pressure“.

Die britische Zeitung erkennt Fortschritte bei den makroökonomischen Indikatoren an, beschreibt aber auch wirtschaftliche und soziale Belastungen, die die Erholung weiterhin bremsen. Das Ergebnis lässt sich der Analyse zufolge nicht allein an der Kontrolle der Preise oder am Haushaltsgleichgewicht messen: Entscheidend ist auch, ob sich diese Veränderungen in mehr wirtschaftlicher Aktivität, Beschäftigung und Einkommen niederschlagen.

Makroökonomische Fortschritte und geschwächte Nachfrage

Zu den hervorgehobenen Ergebnissen zählen der Haushaltsüberschuss und der Rückgang der Inflation von einem Höchststand von nahezu 300 % auf 34 %, gemäß den in der Berichterstattung über den Artikel genannten Zahlen. Erwähnt wird auch eine Verbesserung der Finanzierungsbedingungen des Landes. Die fiskalische Stabilisierung und die Marktreformen hätten die öffentlichen Finanzen im Vergleich zu den Vorjahren gestärkt, heißt es in der Financial Times.

Eine niedrigere Inflation bedeutet jedoch nicht, dass die Preise wieder auf ihr früheres Niveau gesunken sind oder dass die Einkommen automatisch ihre Kaufkraft zurückgewonnen haben. Die Analyse nennt Schätzungen von Equilibra, denen zufolge die Reallöhne weiterhin etwa 10 % unter dem Niveau von Anfang 2023 liegen. Außerdem beziffern vom Blatt angeführte offizielle Zahlen die seit Beginn der Amtszeit verlorenen formellen Arbeitsplätze auf rund 300.000.

Die schwache Inlandsnachfrage belastet auch Geschäfte und Unternehmen. Einige begrüßen die Lockerung von Einfuhrbeschränkungen und Vorschriften, müssen sich aber mit Verbrauchern auseinandersetzen, die weniger Geld ausgeben können, sowie mit stärkerer Konkurrenz durch importierte Produkte. Nach Angaben von Invecq ist die Gesamtinvestition seit 2023 um 13 % zurückgegangen.

Eine ungleiche Erholung zwischen den Branchen

Das Bild ist nicht einheitlich. Bergbau und Energie weisen Dynamik auf, während Soja- und Rindfleischexporte dazu beitragen, die Devisenknappheit zu lindern. Diese Branchen können wachsen, auch wenn der Binnenmarkt schwach bleibt. Daher bedeutet ein Aufschwung der Exportaktivitäten für sich genommen nicht, dass sich die Erholung auf die gesamte Wirtschaft ausweitet.

Martín Rapetti, Gründer von Equilibra, beschrieb die Kluft so: „Es gibt Bereiche mit starkem Wachstum, aber der Rest der Wirtschaft stagniert oder schrumpft.“ Zudem erklärte er, dass die in rückläufigen Branchen wegfallenden Arbeitsplätze nicht durch den Bergbau und den Energiesektor aufgefangen würden. Der Unterschied zwischen der Entwicklung dieser Bereiche und jener der vom lokalen Konsum abhängigen Unternehmen ist ein zentraler Punkt der Diagnose.

Der Artikel gibt außerdem die Einschätzung von JPMorgan wieder, wonach Argentinien in eine technische Rezession eintreten könnte, definiert als zwei aufeinanderfolgende Quartale mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts. Dabei handelt es sich um eine der Bank zugeschriebene Einschätzung, nicht um eine Bestätigung, dass dieser Zustand bereits eingetreten ist.

Die politische Herausforderung mit Blick auf 2027

Die Regierung erklärt, Stabilität und ein möglicher Rückgang des Länderrisikos könnten den Weg für umfangreiche Investitionen ebnen, insbesondere in natürliche Ressourcen. Außerdem hat sie Initiativen zur Förderung von Hypothekarkrediten auf den Weg gebracht und die Bedingungen gelockert, unter denen Banken Unternehmen Kredite in US-Dollar gewähren können. Die Analyse erwähnt diese Erwartungen und Maßnahmen; sie sind keine Garantie dafür, dass sich Investitionen oder Beschäftigung innerhalb eines bestimmten Zeitraums erholen werden.

Milei hat einen Kurswechsel bei seinem Programm ausgeschlossen. Zugleich versucht die laut Artikel weiterhin zersplitterte peronistische Opposition, ihre Kritik auf die Kosten der Sparmaßnahmen für Industrie, Handel und Beschäftigung zu konzentrieren. Die Wahl von 2027 erscheint damit als wichtiger politischer Zeithorizont: Die Regierung setzt darauf, dass die Stabilisierung und Investitionen die aktuellen Schwierigkeiten ausgleichen, während ihre Gegner auf die Stagnation und den Kaufkraftverlust verweisen.

Für Unternehmen wirft die Analyse eine konkrete Frage auf: Die Entwicklung der Exportbranchen reicht nicht aus, um die Lage des gesamten Marktes vorherzusagen. Nachfrage, Zugang zu Krediten, Kosten und Beschäftigung können sich je nach Branche und Abhängigkeit vom Binnenkonsum unterschiedlich entwickeln. Das verfügbare Material erlaubt keine Schlussfolgerung darüber, wann – oder in welchem Umfang – sich die Erholung auf diese Branchen ausweiten wird.

Quellen und Methodik

  1. Radiografía del Financial Times: el plan económico de ... ↗www.infobae.com
  2. LISTA Ajuste, empleo y consumo: el Financial Times ... ↗www.mdzol.com
  3. Plan económico de Milei, bajo presión por inflación, empleo y consumo, según Financial Times ↗iProfesional
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