Emera und Canadian Utilities haben eine Aktientransaktion angekündigt, durch die ihre Strom- und Erdgasgeschäfte zu einem Unternehmen mit Hauptsitz in Halifax zusammengeführt würden. Das daraus hervorgehende Unternehmen würde den Namen Emera behalten, rund sechs Millionen Kunden in Kanada, den Vereinigten Staaten und weiteren Märkten haben und einen Pro-forma-Unternehmenswert von nahezu 72 Milliarden kanadischen Dollar aufweisen. In der Berichterstattung wird der Eigenkapitalwert zudem mit rund 35 Milliarden kanadischen Dollar angegeben.
Die Transaktion ist noch ein Vorschlag: Sie bedarf der Zustimmung der Aktionäre sowie gerichtlicher und behördlicher Genehmigungen. Die Unternehmen gehen davon aus, dass der Abschluss in der zweiten Hälfte von 2027 erfolgen könnte, sofern diese Bedingungen erfüllt werden. Die beschriebenen Größe und Investitionskapazität beziehen sich daher auf die geplante Struktur und nicht auf bereits erzielte Ergebnisse.
Die Größenordnung als Argument für größere Projekte
Das strategische Ziel, das die Unternehmen mit dem Zusammenschluss verbinden, besteht darin, mehr Finanzkraft und eine größere geografische Reichweite für Investitionen in Stromnetze, Gasleitungen und andere Infrastruktur zu bündeln. Emera und Canadian Utilities verweisen auf Geschäftsmöglichkeiten in Alberta und Florida, auf die nach ihren Prognosen knapp 80 % des bereinigten Gewinns des fusionierten Unternehmens entfallen würden.
Die Berichterstattung von The Logic bringt die Strategie mit möglichen überregionalen Übertragungsprojekten und mit Energieinfrastrukturvorhaben von nationalem Interesse in Kanada in Verbindung. Scott Balfour, Vorstandsvorsitzender von Emera, der voraussichtlich das fusionierte Unternehmen führen soll, sagte, der Zusammenschluss würde es ermöglichen, sich um größere Projekte zu bewerben. Bob Myles von Canadian Utilities würde der veröffentlichten Information über die Vereinbarung zufolge ebenfalls in das Führungsteam wechseln.
Die Aussagen der Führungskräfte geben die Erwartungen des Unternehmens wieder; sie bedeuten weder, dass Projekte vergeben wurden, noch garantieren sie Rentabilität. Die Unternehmen stellen die Transaktion in erster Linie als Wette auf Wachstum durch Kapitalinvestitionen dar und nicht als Zusammenschluss mit dem Schwerpunkt auf Kostensenkungen. Die Chancen hängen unter anderem davon ab, ob die Projekte tatsächlich umgesetzt werden und die erforderlichen Genehmigungen erhalten.
Was sich für ATCO und die Standorte ändert
Die vorgeschlagene Struktur würde die Industrieservices von ATCO von Canadian Utilities trennen. ATCOs kontrollierende Beteiligung an Canadian Utilities würde an Emera übergehen, während das Industrieservicegeschäft als eigenständiges börsennotiertes Unternehmen ausgegliedert würde, das in den Unterlagen zur Vereinbarung New ATCO heißt. ATCO würde die Kontrolle über dieses Unternehmen behalten, das der Berichterstattung von The Logic zufolge unter der Leitung von Nancy Southern in Calgary bleiben würde.
Emera würde ihren öffentlich angegebenen Hauptsitz in Halifax behalten. Canadian Utilities würde ihre Konzern- und Betriebszentralen in Calgary und Edmonton beibehalten, und Emera würde den Hauptsitz ihrer US-amerikanischen Geschäfte in Tampa behalten. Dass diese Standorte bestehen bleiben, beseitigt weder die Komplexität des Integrationsprozesses noch bedeutet es, dass die Fusion bereits abgeschlossen ist.
Beteiligungen und noch ausstehende Bedingungen
Nach Abschluss der Transaktion würden die derzeitigen Aktionäre von Emera rund 60 % des fusionierten Unternehmens halten; auf die Aktionäre von ATCO und Canadian Utilities würden die verbleibenden 40 % entfallen. Die Vereinbarung sieht verschiedene Aktientausche für die Aktionäre von Canadian Utilities und ATCO sowie Aktien des neuen Industrieunternehmens für die Aktionäre von ATCO vor. Aus der verfügbaren Berichterstattung lässt sich nicht ableiten, dass diese Bedingungen bereits umgesetzt wurden: Sie hängen von der Genehmigung und Durchführung der Transaktion ab.
Für Zulieferunternehmen, Investoren und andere Akteure im Infrastrukturbereich signalisiert die Ankündigung eine mögliche Bündelung von Finanzierungskapazitäten in zwei Märkten, in denen die Unternehmen bereits bedeutende Aktivitäten haben. Bis die Prüfungen abgeschlossen sind und die behördlichen Entscheidungen vorliegen, bleiben die geplante Größenordnung und die Beteiligung an künftigen Megaprojekten jedoch Erwartungen im Zusammenhang mit der Transaktion.