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Der Aufschwung an den brasilianischen Märkten hängt von Flávio Bolsonaros noch ungewissem Fiskalplan ab

Die erste Wahlrunde ließ den Real, die Börse und die Anleihen steigen, doch die Anleger warten weiterhin auf Details und Belege für die Fiskalreformen, die der Kandidat versprochen hat.

Ein goldener Pfeil steigt über drei abgestuften Steinblöcken auf; rechts liegt ein zusammengerolltes Dokument auf einer Steinfläche.
Mit KI erzeugte konzeptuelle Illustration · Edition Business

Der Vorsprung von Flávio Bolsonaro vor Luiz Inácio Lula da Silva in der ersten Wahlrunde löste an den brasilianischen Märkten eine positive Reaktion aus. Die Anleger setzten darauf, dass das Ergebnis die Möglichkeit eines wirtschaftlichen Kurswechsels und größerer Haushaltsdisziplin eröffnet. Der Optimismus hängt jedoch von Erwartungen ab: Der Senator hat bislang weder einen detaillierten Plan zum Abbau des Defizits vorgelegt noch gezeigt, dass er seine Versprechen in Maßnahmen umsetzen kann.

Den von Reuters und El Observador zitierten Ergebnissen zufolge erhielt Bolsonaro 47 % der Stimmen, Lula rund 45 %. Der Abstand brachte beide Kandidaten auf Kurs für eine für den 25. Oktober angesetzte Stichwahl, entschied aber nicht über das Präsidentenamt.

Vermögenswerte stiegen angesichts der Aussicht auf einen fiskalpolitischen Kurswechsel

El Observador berichtete, dass sich der Real nach der ersten Wahlrunde gegenüber dem Dollar um 4,4 % aufwertete und die Börse von São Paulo nach einem Sprung um 7,8 % mit einem starken Aufwärtstrend eröffnete. Auch die Renditen brasilianischer, auf Euro lautender Anleihen gingen zurück. Die Zahlen beschreiben die von diesem Medium berichtete Marktreaktion; sie garantieren nicht, dass die Kursgewinne anhalten.

Reuters gab Prognosen von Analysten wieder, die weitere Aktienkursgewinne und eine Aufwertung der Währung erwarteten. Diese Projektionen spiegeln Erwartungen wider, keine bestätigten Ergebnisse. Die Wahl von 2022 – als der Real und die Börse nach einem für Jair Bolsonaro besser als erwartet ausgefallenen Ergebnis der ersten Wahlrunde ebenfalls zulegten – dient als Vergleich, lässt aber nicht den Schluss zu, dass sich derselbe Verlauf wiederholen wird.

Die positive Einschätzung stützt sich auf die Erwartung, dass eine mögliche Regierung von Flávio Bolsonaro die Ausgaben begrenzt und Reformen vorantreibt. Bloomberg erklärte in einem von InfoMoney veröffentlichten Beitrag, mehrere Investmentfirmen gingen davon aus, dass brasilianische Vermögenswerte weiter zulegen könnten, während die Möglichkeit größerer Haushaltsdisziplin eingepreist werde. Zugleich warnte das Medium, dass dieses Vertrauen auf noch begrenzten Informationen darüber beruhe, wie die Anpassung umgesetzt würde.

Versprechen sind nicht gleichbedeutend mit einem ausgearbeiteten Programm

Zu den dem Kandidaten und seinem Team zugeschriebenen Vorschlägen gehören Ausgabenbegrenzung, Bürokratieabbau und Steuersenkungen. El Observador ergänzte, das Team wolle die geltende Fiskalregel ersetzen, mindestens zehn Ministerien abbauen, Subventionen begrenzen und die Steuerreform überprüfen. Dabei handelt es sich um angekündigte oder dem Wahlkampf zugeschriebene Vorhaben, nicht um beschlossene oder umgesetzte Maßnahmen.

Die Ökonomin Daniella Marques, Bolsonaros oberste Wirtschaftsberaterin, orientiert sich laut der von InfoMoney verbreiteten Bloomberg-Berichterstattung an der Kürzungsagenda des argentinischen Präsidenten Javier Milei. Dieser Verweis klärt weder, wie die Veränderungen finanziert würden, noch welche konkreten Maßnahmen zum Abbau des Defizits vorgeschlagen würden.

Der Hintergrund ist eine von den Medien als angespannt beschriebene Haushaltslage. Bloomberg berichtete, das nominale Defizit habe sich 10 % des BIP genähert und die Staatsverschuldung habe 80 % des BIP überschritten. El Observador nannte ein Defizit von knapp 9 % und eine Verschuldung in Höhe von 82 % des BIP. Die Unterschiede gehen auf die jeweiligen Zahlen und Formulierungen in der Berichterstattung zurück; in beiden Fällen konzentriert sich die Sorge der Anleger auf die Kosten der Staatsfinanzierung und das hohe Zinsniveau.

Glaubwürdigkeit der Fiskalpolitik und Kongress werden entscheidend sein

Der Aufschwung könnte an Kraft verlieren, wenn der Markt keine Anzeichen dafür sieht, dass aus den Versprechen glaubwürdige Haushaltsziele und umsetzbare Reformen werden. Anthony Kettle, Senior-Portfoliomanager für Schwellenländermärkte bei RBC BlueBay, sagte Bloomberg, die Anleger würden Bolsonaro vorerst wahrscheinlich einen Vertrauensvorschuss gewähren, doch der Aufwärtstrend müsse durch fiskalische Ergebnisse gestützt werden. Natalia Gurushina von VanEck erklärte in derselben Berichterstattung, die Anleger würden bald konkrete Belege und Fortschritte bei der Gesetzgebung erwarten.

Auch die Zusammensetzung des Kongresses ist Teil der Erwartungen. Bloomberg zufolge könnte der Zugewinn konservativer Kandidaten eine Agenda Bolsonaros erleichtern, falls er gewinnt, oder bestimmte Entscheidungen mit fiskalischen Kosten begrenzen, falls Lula den Wahlkampf noch dreht. Diese mögliche Wirkung hängt von den Bündnissen und der parlamentarischen Unterstützung ab, die jeder Kandidat erhält; sie garantiert nicht, dass Reformen verabschiedet werden.

Bislang haben die Märkte auf eine politische Möglichkeit reagiert, nicht auf einen bestätigten wirtschaftspolitischen Wandel. Die Aufmerksamkeit gilt der Stichwahl, den Signalen zur Zusammensetzung von Bolsonaros Wirtschaftsteam und vor allem den Einzelheiten eines Fiskalplans, der noch nicht vollständig ausgearbeitet ist.

Quellen und Methodik

  1. Los mercados brasileños se preparan para posibles alzas ... ↗gbm.com
  2. Continuidade de euforia no mercado depende de plano ainda incerto de Flávio Bolsonaro ↗InfoMoney
  3. Euforia en los mercados de Brasil: la bolsa y el real se ... ↗www.elobservador.com.uy
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